Vielschichtiger Tucholsky-Abend im Altstadttheater

Vielschichtiger Tucholsky-Abend im Altstadttheater

von Isabella Kreim

Regisseur Falco Blome hat im Ingolstädter Altstadttheater mit seinen beiden so gegensätzlichen Darstellerinnen Adelheid Bräu und Maria Helgath einen großartig vielschichtigen Tucholsky-Abend unter dem Titel „Wo kommen die Löcher im Käse her?“ erarbeitet: witzig, kabarettistisch, bissig, nachdenklich, melancholisch.

 Der Abend zeigt mit einigen bekannten, aber auch vielen eher unbekannten Texten den Humoristen mit Ehedialogen à la Loriot, den bitteren Gesellschaftssatiriker, der sich sarkastisch mokiert, wie das Streben nach Geld den Charakter verdirbt. Den politischen Autor, der Kriegsverherrlichung oder die Doppelmoral der Kirche anprangert, die sich über den freizügigen Auftritt von Josephine Baker entrüstet, gleichzeitig  aber zum blutigen Kampf aufruft. Wir erleben den Mann, der auch aus der Sicht der Frau Geschlechterrollen oder Kindererziehung kabarettistisch aufs Korn nimmt. Aber auch den Empfindsamen, der über die Einsamkeit im Hotelzimmer schreibt, und den Avantgardeautor, der herrlich absurd über die „soziologische Psychologie der Löcher“ philosophiert. Nach vielen heiteren Episoden wie „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“ wird der Abend immer nachdenklicher und mündet in die tiefe Resignation eines Autors, der angesichts seines vergeblichen Anschreibens gegen den Nationalsozialismus verstummt und schließlich 1935 im schwedischen Exil an einer Medikamentenüberdosis gestorben ist.

Foto: Ina Wobker

Kulturkanal am 01.03.2019
    
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