Psycho-Krimi "Furor" im Studio des Stadttheaters

Psycho-Krimi "Furor" im Studio des Stadttheaters

von Isabella Kreim

Die Internet-Hasskommentare , die gegen Ende dieses Theaterabends auf die Wand der Studiobühne proijeziert werden, hat sich nicht das Regieteam um Simon Dworacezk ausgedacht. Sie sind das authentische Triumphgeheul, die Hasstiraden gegen Politiker in" Kopf ab!"- und "gut so!-Diktion nach der Ermordung des Kasseler Reigerungspräsidneten Walter Lübcke durch einen Rechtsradikalen.
Und dieser Einbruch der Wirklichkeit ist der wohl erschreckendeste Moment dieser Inszenierung.

 „Furor“, das lateinische Wort für Wut, ist der Titel des Theaterstücks, in dem Lutz Hübner und seine Ko-Autorin Sarah Nemitz zwei Menschen mtieinander konfrontieren, die den Riss in unserer Gesellschaft personifizieren, die sich meist nicht begegnen, nie miteinander reden, weil sie nur Hass und Verachtung füreinander übrig haben. Einen Politiker und einen jungen Mann, der auf diese Eliten und das System höchstens mit Hasskommentaren im Internet reagiert.

„Furor“ ist ein konventionell gebautes Theaterstück. Alles spielt sich quasi in Echtzeit von 85 Minuten in einem Raum ab, der schäbigen Wohnung der Mutter des Unfallopers, dessen Mobiliar in der Ausstattung von Maike Häber offenbar seit Jahrzehnten nicht mehr modernisiert worden ist. Das Autorenduo Hübner und Nemitz hat drei Prototypen auf die Bühne gebracht, die stellvertretend für unüberwindbare Konflikte in der Gesellschaft stehen.
Aber klugerweise haben die beiden Autoren diese Figuren auch in eine psycholisch spannende Situation versetzt.
Es gibt also neben dem Argumentationsaustausch auch viel zu spielen für Victoria Voss, Jan Gebauer und Jan Beller. Und Simon Dworaczek hat diese menschliche Differenzierung sehr schön herausgearbeitet, so dass der Zuschauer nicht so leicht sein gedankliches Zustimmungshäkchen für die eine oder die andere Position machen kann.
Klar wird die Eskalation hochgetrieben. Spannung muss sein. Der Dauersound von Jörg Reissner trägt ebenfalls dazu bei, dass hier auch das Genre Psycho-Krimi bedient wird.

Foto: Ludwig Olah

Kulturkanal am 02.12.2019
    
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