Wutbürger nimmt Politiker als Geisel: "Furor" im Studio

Wutbürger nimmt Politiker als Geisel: "Furor" im Studio

von Isabella Kreim

„Furor“, das lateinische Wort für Wut, ist der Titel eines Theaterstücks, das morgen im Studio des Stadttheaters Ingolstadt mit Victoria Voss, Jan Gebauer und Jan Beller Premiere hat.

Lutz Hübner, durch Stücke wie das Lehrer-Mobbing-Thema „Frau Müller muss weg“ viel gespielter Theaterautor, hat mit seiner Ko-Autorin Sarah Nemitz zwei Menschen miteinander konfrontiert, die sich meist nicht begegnen, nie miteinander reden, weil sie nur Hass und Verachtung füreinander übrig haben.
Einen Politiker und einen jungen Mann, der auf diese „Eliten“ hauptsächlich mit Hasskommentaren im Internet reagiert - bis er diesen Vertreter des „Systems“ als Geisel nimmt.

Um diesen Riss in der Gesellschaft auf die Bühne zu bringen, haben die Autoren eine hochemotionale Grundkonstellation geschaffen.
Der Politiker, ein Ministerialdirigent und OB-Kandidat hat einen jungen Drogenabhängigen angefahren und so schwer verletzt, dass er zwar überleben aber schwer behindert bleiben wird.
Jetzt besucht der Politiker dessen Mutter, eine schlecht verdienende Altenpflegerin, und bietet ihr Hilfe an. Obwohl die Polizei festgestellt hat, dass er keine Schuld an dem Unfall hatte.

 Will der Politiker wirklich aus Mitgefühl und schlechtem Gewissen helfen? Oder ist er nicht vielleicht doch zu schnell und alkoholisiert gefahren? Wurden belastende Indizien unterdrückt? Die Presse beeinflusst, sodass der Politiker sogar als Lebensretter des Junkies dasteht.
Im Internet kursieren bereits entsprechende Gerüchte. Und das kann der Politiker jetzt gar nicht brauchen. Der Wahlkampf steht bevor.
Jerome, der Cousin des Unfallopfers, will den Politiker jedenfalls nicht so leicht davonkommen lassen. Als seine Tante die Wohnung verlässt, ist der Politiker hilflos den Rache- und Wut- Absichten des jungen Mannes ausgeliefert, der sich als schlecht bezahlter Paketzusteller als Opfer eines ungerechten Systems sieht.

Regisseur Simon Dworaczek, der im übrigen etwa im Alter von Jerome ist, und zum ersten Mal in Ingolstadt inszeniert, wurde während der Probenarbeit von der Wirklichkeit eingeholt - z.B. die Ermordung des Kasseler Reigerungspräsidneten Walter Lübke durch einen Rechtsradikalen.Die hämischen Jubelkommentare im Netz haben als authentische Zitate Eingang in seine Inszenierung gefunden.

Foto by Ludwig Olah

Kulturkanal am 28.11.2019
    
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