Freilichtpremiere "Der Hauptmann von Köpenick"

Freilichtpremiere "Der Hauptmann von Köpenick"

von Isabella Kreim

Die diesjährige Freilichtproduktion des Stadttheaters Ingolstadt mit Carl Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ ist ein für ein Sommertheater ungewöhnlich ernster Abend. Ohne Live-Musik, Statisten und sonstiges Freilichtspektakel-Brimborium. Lediglich die Rollenwechsel der bewährten Stadttheater-Darsteller Römisch, Kielhorn, Reisser, Rogge und Polgar als Uniform-vernarrte Männer setzen komödiantische Akzente.

Es geht um die Situation des vorbestraften Schusters Wilhelm Voigt, der sich nichts weiter als eine normale Wiedereingliederung ins Arbeitsleben wünscht. Aber er kommt aus dem Teufelskreis keine Aufenthaltsbewilligung kein Job, kein Job, keinen Ausweis nicht heraus. Zentral ist also das Schicksal eines Menschen, der im Dschungel einer unmenschlichen Bürokratie keine Chance bekommt, in seiner Heimat zu leben und zu arbeiten. Die Parallelen zur Situation von Asylsuchenden heute sind unübersehbar.

Der durch den Film mit Heinz Rühmann populär gewordene Verkleidungscoup - der Arbeitslose kommandiert in einer Hauptmannsuniform einen Trupp Soldaten ab, um den Bürgermeister von Köpenick gefangen zu nehmen -  um endlich an seinen Pass zu kommen, nimmt nur die vorletzte Szene des Abends ein.

Olaf Danner als Schuster Wilhelm Voigt ist keine Kämpfer-Natur. Er gehört zu den stillen, bedächtigen, bescheidenen, die sich lange in ihr Schicksal ergeben. Wenn er aufbegehrt gegen die Ungerechtigkeit, dass man ihn, den Gutwilligen nicht mehr Fuß fassen lässt in dieser Gesellschaft, kommt das aus einer lange gärenden Hoffnungslosigkeit.

Dass Carl Zuckmayer mit „Der Hauptmann von Köpenick“ auch eine parodistische Kritik am preußischen Militarismus und dem Obrigkeitsdenken der Kaiserzeit geschrieben hat, kommt nicht ganz zu kurz, hat aber sicher heute mit Ausnahme eines allgemeinen „Kleider machen Leute“ an Bedeutung verloren.  Die Unifom als Männer-Fetisch setzt die komödiantischen Akzente der Aufführung.
Eine fürs Freilicht ungewöhnlich ernsthafte Stückauswahl und Inszenierung von Andreas von Studnitz.

 Foto: Jochen Klenk

Kulturkanal am 01.07.2019
    
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