Vorbericht zur Freilichtpremiere im Turm Baur

Vorbericht zur Freilichtpremiere im Turm Baur

von Isabella Kreim

Kleider machen Leute und eine Uniform gibt Befehlsgewalt. Der vorbestrafte und arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt zieht eine hauptmannsuniform an und kommandiert einfach einen Trupp Soldaten ab, um den Bürgermeister von Köpenick gefangen zu setzen. Um endlich seine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Der Coup gelingt, seinen Pass aber gäbe es erst auf der nächst höheren Dienststelle. Wieder nix. Um aus dem Teufelskreis keine Aufenthaltsbewilligung kein Job, kein Job keine Papiere herauszukommen und unbehelligt ein ganz normales Leben führen zu können.

 Carl Zuckmayers als „deutsches Märchen“ bezeichnetes Theaterstück „Der Hauptmann von Köpenick“ beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1906. Durch die Verfilmung mit Heinz Rühmann wurde der Stoff populär, nachdem das unmittelbar vor der Machtübernahme der Nazis geschriebene Theaterstück in der Nazi-Zeit natürlich verboten war.

 Heute Abend hat „Der Hauptmann von Köpenick“ auf der Ingolstädter Freilichtbühne im Turm Baur Premiere. Der Stoff um einen sozialen Außenseiter ist vielleicht nicht vordergründig das Sommer-Unterhaltungs-Spektakel, das sich Freilichttheaterbesucher oft wünschen, zumal der Verkleidungsbluff nur eine, und zwar die vorletzte Szene des Abends einnimmt. Olaf Danner spielt den Schuster Wilhelm Voigt, der es wahrlich nicht leicht hat, in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen.
Für Regisseur Andreas von Studnitz geht es in seiner Inszenierung des Hauptmann von Köpenick nicht in erster Linie um eine parodistische Kritik am preußischen Militarismus und dem Obrigkeitsdenken der Wilhelminischen Zeit, sondern um das Schicksal eines Menschen, der im Dschungel einer unmenschlichen Bürokratie keine Chance bekommt, in seiner Heimat zu leben und zu arbeiten. Und das sei ein durchaus heutiges Thema.

Foto: Jochen Klenk

Kulturkanal am 28.06.2019
    
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