Premieren "Pension Schöller" und Einakter v. Pinter

von Isabella Kreim

Der lustigste Einfall ist zweifellos der Sprachfehler des jungen Mannes, der kein l sprechen kann und es durch ein n ersetzt. Dennoch will er unbedingt Schauspieler werden, Nessing und Schinner spienen, Wannensteins Nager und Kabane und Niebe. Das ist wirknich nustig. Matthias Zaijgier exerziert das mit bemerkenswerter Präzision,  und der innere Drang dieses Theaterenthusiasten ist herzerfrischend komisch.
Überhaupt lebt diese Aufführung der „Pension Schöller“ von der ausgefeilten Verve, mit der sich die Schauspieler ins Zeug legen, um diese durchgeknallten Typen zu profilieren.
Die Grundidee: Der reiche Provinzler hält die Gäste der Abendsoiree in der "Pension Schöller" für die Insassen einer Irrenanstalt... Regisseur Folke Braband beherrscht das Komödienhandwerk perfekt, und er hat zudem noch Geschmack, sodass keine Abstürze in allzu seichte Albernheiten passieren. Und wenn Klamauk und Überdrehtheit, dann als virtuose Choreographie des Irrsinns.

Wo sind wir? An welchem Ort? Zu welcher Zeit? Wer sind die beiden Figuren?
Obwohl die beiden Einakter von Harold Pinter, die das Stadttheater Ingolstadt im Kleinen Haus zeigt, mit einem zeitlichen Abstand von fast 40 Jahren entstanden sind, ziehen beide Theaterstücke durch ihre fehlende mangelnde Verortung und ihre Rätselhaftigkeit zwischen abgründigem Psychodrama und verstörender Gesellschaftsparabel in ihren Bann. Pinters Methode: Wir können nur einen Ausschnitt aus einem größeren Zusammenhang sehen und verstehen. Und das hinterlässt eine unterschwellige Beklommenheit. Zwei junge Regisseure, die auch Regieassistenten am Stadttheater sind, Boris Brandner und Mona-Julia Sabaschus haben "Asche zu Asche" und "Der stumme Diener" sehr anschaulich auf die Bühne gebracht.

Konzerttipp: Ein Enfant terrible, ein Geiger, der die Klassik wie ein Popstar aufmischt: Nemanja Radulovic kommt am Donnerstag zum Konzertverein in den Theaterfestsaal mit seinem Streicherensemble, die sich Teufelstriller nennen. In Serbien geboren, hat Radulocic am Pariser Konservatorium studiert. Er spielt klassische Musik wie Bach und Mozart, das virtuose Repertoire des 19. Jahrhunderts von Sarasate oder Paganini, aber auch Balkan-Folklore.

Kulturkanal am 30.04.2018
    
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