Fleißer-Preis für Ransmayr; Stadttheater: "Am Boden"

von Isabella Kreim

Die schönste Verleihung des Marieluise-Fleißer-Preises die es je gab, war gestern Mittag im Ingolstädter Theaterfoyer zu hören. Christoph Ransmayr ist immerhin bereits der 15. Preisträger dieses mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreises der Stadt Ingolstadt.
Laudator Andreas Platthaus, Literaturredakteur der FAZ, verwob klug und pointiert Ransmayrs Zauber der Verwandlung von Wirklichkeit und seine Erschaffung neuer Welten durch Sprache mit Ausflügen zu Marieluise Fleißer, der zwar weniger Weitgereisten und dennoch ähnlich genau Zuhörenden und Erzählenden.
Anstelle einer Dankesrede oder Lesung aus bereits Publiziertem schenkte Christoph Ransmayrden Zuhörern eine für die Verleihung des Marieluise-Fleißer-Preises geschriebene Erzählung - über seine erste Begegnung mit dem Titel des Romans von Marieluise Fleißer "Eine Zierde für den Verein" als wütende Beschimpfung seines Fußballtrainers, weil er mit einem Eigentor alles vermasselt hatte.
Und Ransmayr erwies sich auch mit diesem Bogen von der Jugenderinnerung zu einer Hommage an Marieluise Fleißer als wunderbarer Erzähler.

Der Traum vom Fliegen ist für diese Kampfpilotin, die nun vom Boden, von ferngesteuerten Kampfdrohnen aus, gezielt „verdächtige Männer im wehrfähigen Alter“ im fernen Krieg tötet, zum Alptraum geworden.
Diese Aufführung des Stadttheaters Ingolstadt von George Brants „Am Boden“ nimmt einem den Atem, als wäre man selbst den Fliehkräften eines Kampfjets ausgesetzt. Aber auch die Zuschauer sind „am Boden“, in einem Hangar des Flughafens Manching und verfolgen, mit welcher Intensität Mira Fajfer den Absturz dieser leidenschaftlichen Kampfpilotin in den Wahnsinn vor Augen führt.

Kulturkanal am 27.11.2017
    
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